Eine Vasektomie wird als dauerhafte Verhütungsmethode durchgeführt – doch Lebensumstände können sich ändern. Eine neue Partnerschaft, ein veränderter Kinderwunsch oder schlicht ein Umdenken: Es gibt verschiedene Gründe, warum Männer nach einer Vasektomie den Wunsch verspüren, ihre Zeugungsfähigkeit wiederherzustellen. Die Vasovasostomie – die operative Rückgängigmachung der Vasektomie – kann diesen Wunsch in vielen Fällen erfüllen.
Was ist eine Vasovasostomie?
Bei der Vasovasostomie handelt es sich um einen mikrochirurgischen Eingriff, bei dem die bei der Vasektomie durchtrennten Samenleiter wieder miteinander verbunden werden. Ziel ist es, den Transportweg der Spermien vom Hoden zur Harnröhre wiederherzustellen, sodass auf natürlichem Weg eine Schwangerschaft möglich wird.
Der Eingriff ist deutlich komplexer als die ursprüngliche Vasektomie und erfordert spezielle mikrochirurgische Expertise. Die Samenleiter haben einen Innendurchmesser von nur etwa 0,3 bis 0,5 Millimetern – die Nahtverbindung muss unter dem Operationsmikroskop mit feinsten Fäden durchgeführt werden.
Wie läuft der Eingriff ab?
Die Vasovasostomie wird in der Regel unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie durchgeführt und dauert je nach Befund zwei bis vier Stunden. Der Ablauf umfasst folgende Schritte:
- Freilegung der Samenleiter: Über kleine Schnitte am Hodensack werden die Samenleiter auf beiden Seiten im Bereich der früheren Durchtrennung freigelegt
- Beurteilung der Durchgängigkeit: Die Enden der Samenleiter werden begutachtet. Aus dem hodenseitigen Ende wird Flüssigkeit entnommen und unter dem Mikroskop auf Spermien untersucht
- Mikrochirurgische Naht: Die Samenleiterenden werden unter dem Operationsmikroskop mit feinstem Nahtmaterial in zwei Schichten wieder verbunden – zunächst die innere Schleimhautschicht, dann die äußere Muskelschicht
- Wundverschluss: Die Schnitte werden mit selbstauflösenden Fäden verschlossen
Tubulovasostomie – die Alternative bei Blockade
In manchen Fällen zeigt sich während des Eingriffs, dass der hodennahe Samenleiteranteil blockiert ist – erkennbar daran, dass keine Spermien in der Flüssigkeit nachweisbar sind. Dann kann eine Tubulovasostomieerforderlich werden, bei der der Samenleiter direkt an den Nebenhoden angeschlossen wird. Dieser Eingriff ist technisch noch anspruchsvoller.
Erfolgschancen – wovon hängen sie ab?
Die wichtigste Frage für viele Männer lautet: Wie stehen die Chancen? Die Erfolgschancen der Vasovasostomie hängen von mehreren Faktoren ab:
Zeit seit der Vasektomie
Der entscheidende Faktor ist die Zeitspanne zwischen Vasektomie und Refertilisierung. Je kürzer die Vasektomie zurückliegt, desto besser sind in der Regel die Aussichten. Allgemein gilt:
- Weniger als 3 Jahre: Die besten Erfolgsaussichten – bei den meisten Männern lassen sich wieder Spermien im Ejakulat nachweisen
- 3 bis 8 Jahre: Weiterhin gute Chancen, die Erfolgsquote nimmt jedoch graduell ab
- 8 bis 15 Jahre: Mäßige bis eingeschränkte Chancen – eine individuelle Beurteilung ist hier besonders wichtig
- Über 15 Jahre: Deutlich reduzierte, aber nicht ausgeschlossene Chancen – eine ehrliche Beratung über realistische Erwartungen ist entscheidend
Weitere Einflussfaktoren
- Alter der Partnerin: Die Fruchtbarkeit der Frau spielt eine ebenso wichtige Rolle. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die weibliche Fertilität natürlicherweise ab
- Operationstechnik: Die Erfahrung des Chirurgen und die Qualität der mikrochirurgischen Technik beeinflussen das Ergebnis maßgeblich
- Befund am Samenleiter: Der Zustand des Gewebes im Operationsgebiet – Vernarbungen oder Entzündungen können die Chancen mindern
- Spermienbefund intraoperativ: Ob und in welcher Qualität Spermien während des Eingriffs nachweisbar sind, gibt Hinweise auf die Prognose
Erholung nach dem Eingriff
Die Erholungsphase nach einer Vasovasostomie ist in der Regel etwas länger als nach der ursprünglichen Vasektomie. Folgende Empfehlungen gelten:
- Körperliche Schonung für etwa eine Woche – leichte Tätigkeiten nach wenigen Tagen möglich
- Verzicht auf Sport und schwere körperliche Arbeit für drei bis vier Wochen
- Tragen einer stützenden Unterhose für etwa zwei Wochen
- Geschlechtsverkehr nach drei bis vier Wochen möglich
- Regelmäßige Spermiogramm-Kontrollen: erste Kontrolle nach sechs bis acht Wochen, weitere im Abstand von zwei bis drei Monaten
Wichtig: Selbst wenn Spermien im Ejakulat nachgewiesen werden, kann es mehrere Monate bis über ein Jahr dauern, bis eine Schwangerschaft eintritt. Geduld ist ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses.
Alternativen zur Vasovasostomie
Nicht in jedem Fall ist die Vasovasostomie der beste oder einzige Weg zum Kinderwunsch. Es gibt Alternativen, die je nach Situation erwogen werden sollten:
Spermiengewinnung und künstliche Befruchtung (TESE/ICSI)
Bei der testikulären Spermienextraktion (TESE) werden Spermien direkt aus dem Hodengewebe entnommen und für eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) verwendet – eine Form der künstlichen Befruchtung. Diese Option kann sinnvoll sein, wenn:
- Die Vasektomie sehr lange zurückliegt
- Eine Vasovasostomie bereits erfolglos durchgeführt wurde
- Das Alter der Partnerin eine schnelle Lösung erfordert
- Der Mann den erneuten operativen Eingriff am Samenleiter vermeiden möchte
Realistische Erwartungen und ehrliche Beratung
Eine Refertilisierung ist ein Eingriff, der mit Hoffnungen und Erwartungen verbunden ist. Umso wichtiger ist eine ehrliche und realistische Beratung im Vorfeld. Nicht jede Vasovasostomie führt zum gewünschten Ergebnis, und die Entscheidung sollte auf einer fundierten Einschätzung der individuellen Ausgangslage basieren.
In einem ausführlichen Beratungsgespräch besprechen wir gemeinsam Ihre persönliche Situation, beurteilen die Erfolgschancen und erörtern alle verfügbaren Optionen – damit Sie eine informierte Entscheidung treffen können.
Die Privatpraxis am Kurhaus in Wiesbaden steht Ihnen für eine umfassende Beratung zum Thema Refertilisierung zur Verfügung. Dr. med. Feroz Afghanyar nimmt sich die Zeit, Ihre individuelle Situation zu analysieren und den für Sie besten Weg zu besprechen. Vereinbaren Sie Ihren Beratungstermin.


