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Kinderwunsch

Varikozele bei Kinderwunsch: Abklärung und nächste Schritte

Dr. med. Feroz Afghanyar

Eine Varikozele beweist keine Unfruchtbarkeit. Der Ratgeber erklärt, wie Tastbefund, Ultraschall, Spermiogramm und Kinderwunsch gemeinsam eingeordnet werden.

Varikozele bei Kinderwunsch: Abklärung und nächste Schritte – Ratgeber-Bild

Eine Varikozele ist eine Erweiterung von Venen im Hodensack. Manche Männer bemerken ein Ziehen oder eine weiche Schwellung, bei anderen fällt der Befund erst während einer Kinderwunschabklärung auf. Eine Varikozele kann mit veränderten Samenwerten zusammenhängen, beweist aber weder Unfruchtbarkeit noch die Notwendigkeit einer Operation. Für die Einordnung zählen der Tastbefund, mögliche Beschwerden, die Hodenuntersuchung, ein fachgerecht erhobenes Spermiogramm und die Situation beider Partner. Dieser Ratgeber erklärt, welche Untersuchungen sinnvoll sind, wann Beobachten genügt und unter welchen Voraussetzungen eine Behandlung überhaupt besprochen wird.

Was ist eine Varikozele und wann wird sie relevant?

Bei einer Varikozele sind Venen des Geflechts um den Hoden erweitert. Ein klinischer Befund lässt sich bei der körperlichen Untersuchung tasten oder sehen; eine subklinische Varikozele ist dagegen nur in einer Ultraschalluntersuchung erkennbar. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein reiner Bildbefund nicht automatisch dieselbe Bedeutung hat wie eine deutlich tastbare Veränderung. Typische Anlässe für eine Untersuchung sind ein ziehendes oder drückendes Gefühl, eine weiche Schwellung oberhalb des Hodens, ein auffälliger Seitenunterschied oder eine Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch. Beschwerden können im Stehen oder bei Belastung stärker auffallen, sind aber nicht beweisend. Ein harter Knoten im Hoden, plötzlich starke Schmerzen oder eine rasch zunehmende Schwellung dürfen nicht einfach als Varikozele gedeutet werden. Sie brauchen eine eigene ärztliche Einordnung. Der Befund wird deshalb nicht nach Selbsttastung oder Foto festgelegt, sondern aus Untersuchung und gegebenenfalls Ultraschall abgeleitet.

Wie kann eine Varikozele den Kinderwunsch beeinflussen?

Eine Varikozele kann mit einer eingeschränkten Hodenfunktion und veränderten Samenparametern verbunden sein. Als mögliche Mechanismen werden unter anderem eine ungünstige Temperaturregulation und ein veränderter venöser Blutfluss diskutiert. Daraus folgt jedoch keine einfache Gleichung: Viele Männer mit Varikozele können Kinder zeugen, während eine ausbleibende Schwangerschaft zahlreiche andere männliche und weibliche Ursachen haben kann. Auch ein einzelner Samenwert erlaubt keine sichere Aussage über die Fruchtbarkeit eines Mannes. Die EAU-Leitlinie betont deshalb die umfassende andrologische Abklärung statt einer Entscheidung anhand eines Ultraschallbildes. Entscheidend ist, ob die Varikozele klinisch nachweisbar ist, ob das Spermiogramm auffällig ausfällt und ob sich eine andere Ursache der Fertilitätsstörung zeigt. Zusätzlich beeinflussen Dauer des Kinderwunsches, Alter und Befunde der Partnerin die gemeinsame Planung. Die Varikozele ist damit ein möglicher Teil des Gesamtbildes, nicht automatisch dessen alleinige Erklärung.

Wie stellt der Urologe eine Varikozele fest?

Am Anfang stehen ein Gespräch und die körperliche Untersuchung. Wichtig sind Beginn und Verlauf der Beschwerden, frühere Entzündungen oder Eingriffe, Medikamente, ein möglicher Kontakt zu Anabolika sowie die bisherige Kinderwunschgeschichte. Anschließend werden Hoden, Nebenhoden und Samenstränge im Seitenvergleich untersucht. Die EAU nennt die körperliche Untersuchung als Grundlage der Diagnose. Ein skrotaler Doppler-Ultraschall, der den Blutfluss in den Gefäßen sichtbar macht, wird vor allem ergänzend eingesetzt, wenn der Tastbefund unklar ist oder nach einer Behandlung eine fortbestehende Varikozele geprüft werden muss. Ultraschall kann außerdem Größe und Struktur der Hoden beurteilen und andere auffällige Befunde abgrenzen. In der Urologie am Kurhaus steht hochauflösender Hodenultraschall direkt in der Praxis zur Verfügung. Welche Ultraschalltechnik und welche weiteren Untersuchungen im Einzelfall erforderlich sind, richtet sich nach der konkreten Fragestellung und wird nicht allein durch die Vermutung „Varikozele“ festgelegt.

Welche Rolle spielt das Spermiogramm bei der Abklärung?

Das Spermiogramm untersucht mehrere Eigenschaften des Ejakulats, darunter Spermienzahl, Beweglichkeit und Form. Es zeigt, ob Parameter außerhalb der verwendeten Referenzbereiche liegen, beantwortet aber nicht allein, ob ein Mann fruchtbar oder unfruchtbar ist. Werte können schwanken und müssen zusammen mit Vorgeschichte, Untersuchung und der Situation des Paares gelesen werden. Ist die erste Samenanalyse auffällig, empfiehlt die EAU mindestens zwei aufeinanderfolgende Untersuchungen, bevor weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Das gemeinsame Konsenspapier von DGA, DGU und BvDU ordnet das Spermiogramm als zentralen Bestandteil der andrologischen Basisdiagnostik ein. Die Kinderwunschdiagnostik für den Mann in der Urologie am Kurhaus umfasst Spermiogramm, Hormonbestimmung und eine urologische Untersuchung. Eine Varikozele wird dadurch nicht automatisch zur Ursache eines auffälligen Ergebnisses. Erst das Muster der Befunde zeigt, ob weitere Diagnostik, Beobachtung oder eine Behandlungsberatung sinnvoll ist.

Wann kann Beobachten statt Behandeln sinnvoll sein?

Nicht jede Varikozele benötigt eine Behandlung. Bei Männern mit Kinderwunsch rät die EAU von einer Behandlung ab, wenn die Samenanalyse normal ist oder die Varikozele nur im Ultraschall sichtbar, aber nicht klinisch tastbar ist. Das schützt vor Eingriffen, deren Nutzen in dieser Konstellation nicht belegt ist. Beobachten bedeutet dennoch nicht, einen Befund dauerhaft zu ignorieren. Neue Beschwerden, eine Veränderung des Tastbefunds oder eine auffällige Entwicklung der Samenwerte können eine erneute Untersuchung begründen. Auch ohne Kinderwunsch kann ein anhaltendes Druck- oder Schmerzgefühl Anlass sein, andere Ursachen auszuschließen und die Möglichkeiten zu besprechen. Wichtig ist die saubere Trennung zwischen einer sichtbaren Gefäßveränderung, einer klinisch relevanten Varikozele und einer tatsächlich erklärungsbedürftigen Fertilitätsstörung. Wer nur einen Ultraschallbefund kennt, sollte daher nicht aus dem Wort „Varikozele“ auf eine notwendige Operation schließen. Die Entscheidung folgt der gesamten Befundlage und dem persönlichen Ziel.

Wann wird eine Behandlung bei Kinderwunsch besprochen?

Eine Behandlungsberatung kommt vor allem dann infrage, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen: Die Varikozele ist klinisch nachweisbar, Samenparameter sind wiederholt auffällig und für die Fertilitätsstörung findet sich keine überzeugendere Erklärung. Die EAU bezieht außerdem die ovarielle Reserve der Partnerin in die Empfehlung ein, weil Zeitfenster und Erfolgsaussichten immer das Paar betreffen. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeder auffällige Wert zu einer Operation führt. Vor einer Entscheidung werden Nutzen, Grenzen, mögliche Risiken und alternative Wege der Kinderwunschbehandlung gegeneinander abgewogen. Auch das Verfahren und der geeignete Behandlungsort sind individuelle fachärztliche Entscheidungen. Ob und wo eine mögliche Behandlung erfolgen soll, wird erst nach der Befundauswertung fachärztlich geklärt. Die Praxis bietet die urologische Abklärung mit Spermiogramm, Hormonstatus und Ultraschalldiagnostik an. Aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, ob Beobachten genügt oder eine weiterführende Beratung in Betracht kommt.

Wie bereiten Sie den Untersuchungstermin sinnvoll vor?

Notieren Sie, seit wann Sie die Veränderung bemerken, ob Ziehen oder Druck im Stehen, bei körperlicher Belastung oder im Tagesverlauf zunehmen und ob Liegen die Beschwerden verändert. Bringen Sie frühere Ultraschallbefunde, Spermiogramme und Hormonwerte mit. Wichtig sind außerdem Operationen im Leisten- oder Hodensackbereich, Hodenhochstand, Verletzungen, Entzündungen, Medikamente und die Einnahme von Testosteron oder Anabolika. Für die Kinderwunschplanung helfen Angaben dazu, wie lange eine Schwangerschaft ausbleibt und welche Untersuchungen bei der Partnerin bereits erfolgt sind. Tasten Sie den Befund nicht wiederholt kräftig ab und versuchen Sie nicht, anhand von Internetbildern einen Schweregrad festzulegen. Fragen Sie im Termin konkret: Ist die Varikozele klinisch tastbar, welche andere Ursache muss ausgeschlossen werden und welche Untersuchung verändert die Entscheidung tatsächlich? Einen Termin nach Vereinbarung können Sie online buchen. Bei plötzlich starken Beschwerden ist eine zeitnahe medizinische Abklärung wichtiger als ein regulärer Beratungstermin.

Welche nächsten Schritte folgen nach den Befunden?

Nach Untersuchung, Ultraschall und Samenanalyse werden die Ergebnisse gemeinsam eingeordnet. Ist keine klinische Varikozele nachweisbar und bleibt die übrige Abklärung unauffällig, kann eine Beobachtung ohne Eingriff ausreichen. Bei einem auffälligen Spermiogramm wird zunächst geprüft, ob der Befund bestätigt ist und ob weitere Faktoren wie Hormone, frühere Erkrankungen oder Medikamente eine Rolle spielen. Eine klinische Varikozele mit wiederholt veränderten Samenparametern kann anschließend Teil einer Behandlungsentscheidung werden. Dabei zählen nicht nur Laborwerte, sondern auch Beschwerden, bisherige Kinderwunschdauer und die Befunde der Partnerin. Ein Spermiogramm ist also weder ein endgültiges Fruchtbarkeitsurteil noch eine automatische Operationsindikation. Ziel der Abklärung ist eine nachvollziehbare Antwort auf drei Fragen: Liegt wirklich eine klinisch relevante Varikozele vor, passt sie zum Gesamtbefund und würde eine Behandlung die Planung des Paares sinnvoll verändern? Erst danach wird der weitere Weg gemeinsam festgelegt.

Quellen

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