Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und spielt eine zentrale Rolle für die körperliche und seelische Gesundheit des Mannes. Es beeinflusst nicht nur Libido und Erektionsfähigkeit, sondern auch Muskelkraft, Knochendichte, Stimmung und Konzentrationsfähigkeit. Wenn der Testosteronspiegel dauerhaft unter den Normalbereich sinkt, sprechen Mediziner von einem Hypogonadismus – im Alltag besser bekannt als Testosteronmangel. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, welche Anzeichen auf einen Mangel hindeuten können, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Welche Aufgaben hat Testosteron im männlichen Körper?
Testosteron wird überwiegend in den Hoden produziert und über das Blut im gesamten Körper verteilt. Seine Wirkungen sind vielfältig:
- Sexualfunktion: Steuerung der Libido (sexuelles Verlangen) und Unterstützung der Erektionsfähigkeit
- Muskulatur und Körperbau: Aufbau und Erhalt von Muskelmasse, Regulation der Fettverteilung
- Knochengesundheit: Erhalt der Knochendichte und Vorbeugung von Osteoporose
- Blutbildung: Anregung der Produktion roter Blutkörperchen
- Psyche und Kognition: Einfluss auf Stimmung, Antrieb, Konzentration und allgemeines Wohlbefinden
- Fruchtbarkeit: Wesentliche Rolle bei der Spermienproduktion
Symptome eines Testosteronmangels
Ein Testosteronmangel entwickelt sich oft schleichend, sodass die Symptome zunächst nicht immer richtig eingeordnet werden. Viele Männer führen die Beschwerden auf Stress, Alter oder allgemeine Erschöpfung zurück. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
Häufige Symptome
- Nachlassende Libido: Deutlich vermindertes sexuelles Interesse, das über normale Schwankungen hinausgeht
- Erektionsstörungen: Schwierigkeiten, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten – insbesondere das Fehlen morgendlicher Erektionen
- Chronische Müdigkeit: Anhaltende Erschöpfung und Antriebslosigkeit, die durch Schlaf nicht ausreichend gebessert wird
- Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, depressive Verstimmung oder innere Unruhe ohne erkennbare äußere Ursache
- Verlust von Muskelmasse: Abnahme der Muskelkraft trotz unverändertem Training, Zunahme von Körperfett – besonders im Bauchbereich
- Konzentrationsprobleme: Schwierigkeiten, sich zu fokussieren, Vergesslichkeit
Weitere mögliche Anzeichen
- Verminderte Körperbehaarung
- Hitzewallungen oder vermehrtes Schwitzen
- Schlafstörungen
- Abnahme der Knochendichte (erhöhtes Frakturrisiko)
- Brustvergrößerung (Gynäkomastie)
Altersbedingte Abnahme oder krankhafter Mangel?
Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel bei Männern physiologisch um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr. Dieser natürliche Rückgang verläuft bei den meisten Männern so langsam, dass er keine wesentlichen Beschwerden verursacht. Von einem behandlungsbedürftigen Mangel spricht man erst, wenn der Testosteronwert deutlich unter die Norm fällt und gleichzeitig typische Symptome bestehen.
Ein isoliert niedriger Laborwert ohne Beschwerden erfordert in der Regel keine Behandlung – ebenso wenig wie typische Symptome bei normalen Blutwerten. Erst das Zusammenspiel beider Faktoren begründet eine Therapie.
Diagnose: Wie wird ein Testosteronmangel festgestellt?
Die Diagnose eines Testosteronmangels erfolgt anhand einer Kombination aus Laboruntersuchung und klinischer Beurteilung.
- Blutentnahme am Morgen: Da der Testosteronspiegel tageszeitlichen Schwankungen unterliegt, sollte die Blutentnahme idealerweise zwischen 7 und 11 Uhr morgens erfolgen, da die Werte zu diesem Zeitpunkt am höchsten sind
- Mehrfache Messung: Ein einzelner niedriger Wert reicht nicht aus. Mindestens zwei Messungen an unterschiedlichen Tagen sind für eine gesicherte Diagnose erforderlich
- Zusätzliche Laborwerte: Neben dem Gesamttestosteron werden häufig auch freies Testosteron, SHBG, LH, FSH und Prolaktin bestimmt, um die Ursache des Mangels einzugrenzen
- Symptomerfassung: Ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden, Lebensumstände und Krankengeschichte ist unverzichtbarer Bestandteil der Diagnostik
Behandlung: Wann ist eine Testosteronersatztherapie sinnvoll?
Liegt ein gesicherter Testosteronmangel mit entsprechenden Beschwerden vor, kann eine Testosteronersatztherapie (TRT) erwogen werden. Ziel ist es, den Hormonspiegel in den Normalbereich anzuheben und dadurch die Symptome zu lindern.
Darreichungsformen
Testosteron kann auf verschiedenen Wegen zugeführt werden. Die gängigsten Darreichungsformen sind:
- Gele und Cremes: Werden täglich auf die Haut aufgetragen und sorgen für einen gleichmäßigen Hormonspiegel
- Injektionen: Werden in regelmäßigen Abständen (alle wenige Wochen bis Monate) in den Muskel verabreicht
- Pflaster: Werden täglich auf die Haut geklebt und geben Testosteron kontinuierlich ab
Welche Darreichungsform für Sie am besten geeignet ist, hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen und Lebensumständen ab und wird im Beratungsgespräch gemeinsam festgelegt.
Wichtige Hinweise zur Therapie
Eine Testosteronersatztherapie erfordert eine regelmäßige ärztliche Überwachung. Im Rahmen der Kontrollen werden Testosteronspiegel, Blutbild, PSA-Wert und Leberwerte überprüft, um die Therapie sicher zu gestalten. Mögliche Nebenwirkungen – wie eine Verdickung des Blutes (Polyglobulie), Hautreaktionen oder eine Veränderung der Blutfettwerte – werden engmaschig kontrolliert.
Wichtig: Bei Männern mit aktivem Kinderwunsch ist eine klassische Testosteronersatztherapie in der Regel nicht geeignet, da sie die Spermienproduktion unterdrücken kann. In diesen Fällen gibt es alternative Therapieansätze, die individuell besprochen werden.
Lebensstil als Therapiebaustein
Neben der medikamentösen Therapie können gezielte Lebensstiländerungen den Testosteronspiegel auf natürliche Weise unterstützen:
- Regelmäßiges Krafttraining: Insbesondere das Training großer Muskelgruppen kann die Testosteronproduktion anregen
- Gesunde Ernährung: Ausreichend Zink, Vitamin D, gesunde Fette und Eiweiß unterstützen den Hormonhaushalt
- Gewichtskontrolle: Übergewicht – insbesondere Bauchfett – kann den Testosteronspiegel senken
- Schlafhygiene: Ausreichend erholsamer Schlaf ist essenziell, da ein Großteil der Testosteronproduktion im Schlaf stattfindet
- Stressreduktion: Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel, der wiederum die Testosteronproduktion hemmen kann
Fazit: Nehmen Sie die Symptome ernst
Ein Testosteronmangel ist keine unvermeidliche Alterserscheinung und kein Zeichen von Schwäche – sondern ein medizinisch gut diagnostizierbarer und behandelbarer Zustand. Wenn Sie mehrere der beschriebenen Symptome bei sich bemerken, sollten Sie nicht zögern, diese ärztlich abklären zu lassen. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung, die Ihre Lebensqualität spürbar verbessern kann.
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