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Männergesundheit

Stoßwellentherapie nach Prostata-OP: Was ist belegt?

Dr. med. Feroz Afghanyar

Nach einer Prostataoperation ist die Studienlage zur Stoßwellentherapie nicht eindeutig. Der Ratgeber erklärt mögliche Chancen, Grenzen und sinnvolle nächste Schritte.

Stoßwellentherapie nach Prostata-OP: Was ist belegt? – Ratgeber-Bild

Nach einer radikalen Prostataoperation kann sich die Erektionsfähigkeit über Monate verändern. Manche Männer fragen deshalb nach einer niedrig intensiven Stoßwellentherapie, kurz LI-SWT oder LI-ESWT. Die Idee: Akustische Impulse sollen Reparaturvorgänge im Schwellkörper unterstützen. Für Erektionsstörungen nach einer Prostataoperation ist die Studienlage jedoch nicht eindeutig. Die europäische urologische Leitlinie beschreibt einen möglichen frühen Nutzen, bewertet die Sicherheit dieser Aussage aber als niedrig. Eine größere randomisierte Studie aus dem Jahr 2025 fand gegenüber einer Scheinbehandlung keinen statistisch signifikanten Vorteil. Die Stoßwellentherapie kann deshalb allenfalls als individuell abzuwägende Ergänzung besprochen werden. Sie ersetzt weder die postoperative Verlaufskontrolle noch eine vollständige Einordnung von Nervschonung, Ausgangsfunktion, Begleiterkrankungen und anderen Behandlungsoptionen.

Warum kann die Erektionsfähigkeit nach einer Prostataoperation nachlassen?

Bei einer radikalen Prostataoperation wird die Prostata vollständig entfernt, meist wegen eines Prostatakarzinoms. In unmittelbarer Nähe verlaufen Nerven und Blutgefäße, die für eine Erektion wichtig sind. Auch bei nervschonender Operation können diese Strukturen vorübergehend gereizt oder dauerhaft beeinträchtigt werden. Die EAU-Leitlinie nennt deshalb das Alter, die Erektionsfähigkeit vor der Operation und die Qualität der Nervschonung als wichtige Einflussfaktoren für die spätere Erholung. Hinzu kommen Gefäßgesundheit, Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, Medikamente und psychische Belastungen. Der Begriff „postoperative Erektionsstörung“ beschreibt daher keine einheitliche Situation. Es macht einen Unterschied, ob spontane Erektionen teilweise vorhanden sind, ob Tabletten wirken, wie lange die Operation zurückliegt und ob weitere Krebsbehandlungen erfolgt sind. Vor jeder zusätzlichen Therapie braucht es zuerst diese individuelle Bestandsaufnahme.

Was soll eine Stoßwellentherapie nach der Operation bewirken?

Bei der niedrig intensiven Stoßwellentherapie werden akustische Impulse von außen auf das Schwellkörpergewebe übertragen. Untersucht wird, ob dadurch biologische Reparaturprozesse und die Durchblutung unterstützt werden können. Das Behandlungsprinzip ist nicht mit einer sofort wirksamen Erektionshilfe gleichzusetzen. Es zielt vielmehr auf Veränderungen, die sich – wenn überhaupt – erst im Verlauf zeigen. Nach einer Prostataoperation besteht die Schwierigkeit darin, dass nicht nur die Gefäßversorgung, sondern auch die Nervenfunktion betroffen sein kann. Ergebnisse aus Studien bei rein gefäßbedingter Erektionsstörung lassen sich deshalb nicht automatisch auf die postoperative Situation übertragen. Die EAU ordnet die Stoßwellentherapie generell vor allem bei leichter gefäßbedingter Erektionsstörung ein und spricht nur eine schwache Empfehlung aus. Für die Rehabilitation nach einer Prostataoperation ist eine noch vorsichtigere Bewertung nötig.

Was sagt die EAU-Leitlinie zur Studienlage?

Die EAU-Leitlinie 2026 fasst zusammen, dass eine Metaanalyse einen positiven Effekt auf die frühe Erholung der Erektionsfähigkeit nach radikaler Prostataoperation gezeigt habe. Direkt danach folgt die entscheidende Einschränkung: Das Evidenzniveau sei niedrig und die Ergebnisse müssten vorsichtig interpretiert werden. Eine Metaanalyse bündelt mehrere Studien, kann aber deren methodische Schwächen nicht aufheben. Kleine Teilnehmerzahlen, unterschiedliche Geräte, verschiedene Behandlungspläne, abweichende Zeitpunkte und parallel verwendete Medikamente erschweren den Vergleich. Zugleich betont die Leitlinie für die postoperative Rehabilitation insgesamt, dass die Daten nicht ausreichen, um ein bestimmtes Schema als optimal zu empfehlen. Aus einem möglichen Gruppeneffekt lässt sich daher keine persönliche Erfolgswahrscheinlichkeit ableiten. Auch der Begriff „Rehabilitation“ bedeutet nicht automatisch, dass spontane Erektionen sicher zurückkehren.

Warum ist die randomisierte Studie von 2025 wichtig?

Die 2025 veröffentlichte randomisierte Studie verglich niedrig energetische Stoßwellentherapie mit einer Scheinbehandlung nach radikaler Prostataoperation. Insgesamt wurden 75 Männer zugeteilt. Nach 24 Wochen lag der geschätzte mittlere IIEF-Wert, ein Fragebogenmaß für die Erektionsfunktion, in beiden Gruppen bei 4. Auch beim Erection Hardness Score zeigte sich kein signifikanter Behandlungseffekt. Eine für sexuelle Aktivität ausreichende Härte erreichten zu diesem Zeitpunkt 18 Prozent in der Behandlungsgruppe und 26 Prozent in der Scheingruppe; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Studie keinen signifikanten Vorteil der Stoßwellentherapie gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen konnte. Dieses Ergebnis widerlegt nicht jede denkbare Wirkung bei einzelnen Männern. Es zeigt aber, warum eine Erfolgsgarantie oder eine pauschale Empfehlung nicht gerechtfertigt ist.

Warum berichten frühere Studien trotzdem positive Signale?

Kleinere randomisierte Studien kamen zu günstigeren oder weniger klaren Ergebnissen. Eine Studie von 2021 mit 38 Teilnehmern berichtete nach zwölf Wochen in der Behandlungsgruppe einen mittleren Anstieg des IIEF-5 um 3,45 Punkte und eine Zunahme des Erection Hardness Score um 0,5 Punkte. Die Autoren bezeichneten das Verfahren als möglicherweise wirksam und sicher, forderten aber ausdrücklich robustere Forschung. Eine weitere Studie von 2022 wertete nach Ausschlüssen nur 32 Teilnehmer aus. Dort erreichten nach sechs Monaten sowohl die Behandlungs- als auch die Scheingruppe physiologische IIEF-5-Werte. Solche Befunde können durch kleine Gruppen, Auswahl der Teilnehmer, zusätzliche Behandlungen und natürliche Erholung beeinflusst werden. Entscheidend ist deshalb nicht, ob irgendeine Studie einen positiven Wert meldet, sondern ob ein reproduzierbarer Vorteil gegenüber Scheinbehandlung besteht und im Alltag spürbar ist. Genau diese Sicherheit fehlt bislang.

Für wen könnte ein Gespräch über LI-ESWT sinnvoll sein?

Ein Gespräch kann sinnvoll sein, wenn nach der Operation eine anhaltende Erektionsstörung besteht, der bisherige Verlauf dokumentiert ist und Nutzen, Unsicherheit sowie Alternativen offen besprochen werden. Besonders wichtig sind Operationsdatum, präoperative Erektionsfähigkeit, Nervschonung, aktuelle Medikamente, Reaktion auf bisherige Behandlungen und persönliche Ziele. Auch mögliche gefäßbedingte Anteile sollten berücksichtigt werden. Die Frage lautet nicht nur „Kann die Therapie helfen?“, sondern auch „Welches konkrete Ziel soll erreicht werden?“ Das kann eine verlässlichere Reaktion auf Tabletten, eine höhere Erektionshärte oder eine bessere sexuelle Aktivität sein. Eine Stoßwellentherapie sollte nicht als Ersatz für die onkologische Nachsorge verstanden werden. Bei Schmerzen, neuem Blut im Urin, Problemen beim Wasserlassen oder anderen postoperativen Beschwerden ist zunächst eine gezielte medizinische Abklärung nötig.

Welche anderen Bausteine gehören in die postoperative Behandlung?

Die EAU empfiehlt, Erektionsstörungen nach radikaler Prostataoperation aktiv anzusprechen und Behandlungsoptionen früh zu erklären. PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil gelten nach nervschonender Operation häufig als erste medikamentöse Option. Ob und wie sie eingesetzt werden, hängt von Herz-Kreislauf-Situation, weiteren Medikamenten und dem individuellen Befund ab. Vakuumerektionshilfen, Injektionstherapien und bei dauerhaft unzureichendem Erfolg auch operative Lösungen können weitere Möglichkeiten sein. Die Leitlinie weist zugleich darauf hin, dass kein einzelnes Rehabilitationsschema sicher die spontane Erholung der Erektionsfähigkeit garantiert. Parallel sollten beeinflussbare Gefäßrisiken, Bewegung, Gewicht, Blutzucker, Blutdruck und Rauchen berücksichtigt werden. Psychosexuelle Beratung kann helfen, Leistungsdruck und Veränderungen in Partnerschaft, Orgasmus oder Körpererleben einzuordnen. Ein sinnvoller Plan verbindet diese Bausteine, statt eine einzelne Maßnahme als alleinige Lösung darzustellen.

Wie lässt sich eine Behandlung fair beurteilen?

Vor Beginn sollten Ausgangswert, Ziel und Bewertungszeitpunkt feststehen. Validierte Fragebögen wie IIEF oder SHIM sowie der Erection Hardness Score schaffen eine vergleichbare Grundlage. Notieren Sie außerdem, ob eine Erektion spontan oder nur mit Unterstützung möglich war, welche Medikamente verwendet wurden und ob das Ergebnis für die gewünschte sexuelle Aktivität ausreichte. Ändern Sie Begleitmedikamente nicht eigenständig, um die Stoßwellentherapie „isoliert“ zu testen. Sonst kann die spätere Einordnung unsicherer werden. Ein einzelner guter oder enttäuschender Versuch beweist wenig. Der Ratgeber zur Beurteilung der Stoßwellentherapie erklärt den strukturierten Vergleich ausführlicher. Wichtig ist auch eine vorher vereinbarte Konsequenz: Was folgt, wenn keine relevante Veränderung eintritt? Ohne diese Frage kann sich eine Behandlung unnötig verlängern.

Welche Fragen gehören in das Beratungsgespräch?

Fragen Sie, welche Ursache Ihrer Erektionsstörung nach der Operation am wahrscheinlichsten ist und warum die Stoßwellentherapie gerade in Ihrer Situation erwogen wird. Lassen Sie sich erläutern, welche Daten aus Studien auf Ihren Befund übertragbar sind und welche nicht. Weitere wichtige Fragen sind: Welches konkrete Ziel wird festgelegt? Wie wird der Ausgangswert dokumentiert? Welche anderen Behandlungen laufen parallel? Wann wird beurteilt, ob sich eine klinisch relevante Veränderung ergeben hat? Welche Alternative folgt bei ausbleibendem Nutzen? Die Urologie am Kurhaus bietet eine Stoßwellentherapie bei erektiler Dysfunktion an. Ein allgemeiner Überblick zu Ursachen und weiteren Therapien findet sich im Ratgeber Erektile Dysfunktion. Für eine persönliche Einordnung können Sie einen Termin nach Vereinbarung vereinbaren.

Quellen

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